Schwarzes Lübeck

Wave Gothic Metal DarknessParty

Mera Luna 04

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Alle Jahre wieder im Sommer, treffen sich in Hildesheim Schwarzkittel aller Fraktionen, um zwei Tage lang tüchtig zu feiern und sich Live-Musik der Extraklasse zu gönnen. Wie in jedem Jahr, war das Lineup auch am 7. und 8. August dieses Jahres sehr vielversprechend. Doch dazu später mehr.
Wir fielen am Freitag Abend, so gegen halb neun, auf dem alten Flughafengelände ein und konnten erst einmal anhand der Kfz-Kennzeichen auf dem Parkplatz feststellen, dass die Besucher nicht nur aus ganz Deutschland angereist waren, sondern auch aus dem benachbarten Ausland (Holland, Frankreich, sogar Ungarn). Der Zeltplatz war zu diesem Zeitpunkt schon sehr gut gefüllt und so waren wir froh, dass Plätze für uns freigehalten wurden.
Die Veranstalter hatten am ersten Abend in einem der Hangars eine Disko eingerichtet, in der Szene-DJs aus ganz Deutschland die Leute zum Sich-bewegen animierten. Allerdings kann ich davon nicht viel berichten, da ich an diesem Abend auf dem Zeltplatz zu sehr mit dem Genuss geistiger Getränke und dem Gespräch mit viel zu lange nicht mehr gesehenen Personen beschäftigt war und somit von besagter Disko nur etwas Lärm aus der Ferne an meine Ohren drang.

Die Nacht endete Samstag morgen gegen 8:30, da die Sonne auf unser Zelt schien und es somit sehr schnell sehr stickig wurde. Die Temperaturen an dem Wochenende bewegten sich tagsüber um die 30 Grad, was zwar nicht immer nur angenehm war, allerdings war es doch wesentlich aushaltbarer als die 40 Grad aus dem Vorjahr. Der Veranstalter hatte zwar Duschen für die Publikümer eingerichtet, deren Kapazität jedoch schnell ausgelastet war. (Ich umging das Problem indem ich Waschschüssel samt Wasser im Auto lagerte und mich zwecks Hygiene dorthin zurückzog.)
Danach aber ab auf das eigentliche Festivalgelände, wo wieder alles was im Gothic-Fashion Bereich Rang und Namen hat, einen Stand aufgebaut hatte. Da man dort inzwischen auch an den Ständen mit Karte Zahlen kann, muss man schon aufpassen, dass die Einkäuferei nicht ausartet, denn wie gesagt: Die Auswahl war gewaltig! Das Gleiche lässt sich auch über diverse Möglichkeiten des Sich-Ernährens sagen. Von der obligatorischen Currywurst über Döner bis hin zu indischen und chinesischen Gerichten war alles geboten.

Um 11:00 morgens war dann feierliche Eröffnung auf der Hauptbühne: DJane Medusa (ja, das ist die kleine süße vom Seducer, die das Schattenreich auf onyx moderiert hat) eröffnete das Festival vor ca. 2000 Besuchern vor der Bühne (eine stolze Leistung für elf Uhr morgens, so finde ich...) mit einer kleinen Ansprache und die Flowing Tears durften danach für die musikalische Premiere sorgen. Wer die Flowing Tears nicht kennt: Gothic Metal mit einer Front-Lady, also ähnlich wie z.B. die Bloodflowerz. Doch genau wie die Flowerz krankt es auch bei den Tears an der Live-Performance (das hört sich auf CD einfach geiler an...). Deshalb rockten sie auch nur mäßig, aber für nen Opener war?s nicht so schleicht.

Weiter ging?s mit Saltatio Mortis! Für mich die Aufsteiger im Mittelalter-Bereich im letzten Jahr (es gab wohl kaum einen großen Mittelalter Markt wo die Jungs nicht gespielt haben).
Allerdings spielen sie teilweise auch mit elektronischer Unterstützung, was die Musik noch tanzbarer macht. Saltatio spielten in der ersten Hälfte ihres Gigs ihren Electro-Folk und die zweite Hälfte dann komplett auf historischen Instrumenten, wobei sie zwischen den Stücken immer wieder kleine derb-lustige Geschichten erzählten, oder das Publikum zu diversen äußerungen veranlassten (der Ausruf ?Schweinskram? ist hier wohl das Pendant zum bekannten Sally-Schrei). Fazit: Die Jungs rocken auf der Bühne und sind gut im Umgang mit der Zuhörerschaft. Auf jeden Fall empfehlenswert.

Ich gönnte mir im Anschluss eine kleine Auszeit und fand mich um 13:40 wieder vor der Hauptbühne ein. Die Sonne brannte inzwischen schon äußerst heiß hernieder, allerdings sollte die Bühnenshow von Umbra et Imago die Sonne in den Schatten stellen. Meister Mozart ist ein Entertainer par exellance, der den Umgang mit dem Publikum wie nur wenige andere beherrscht und seine SM-Show war atemberaubend. Musikalisch brachte er sowohl Stücke von der aktuellen CD ?Memento Mori? als auch ältere Werke. Einziger Wehmutstropfen: Das Kultstück ?Gotik Erotik? war nicht mit auf der Setlist. Insgesamt gesehen machten Umbra eine außergewöhnliche Show für Auge, Ohr und ... na ja... das Gehirn weiter südlich ;-)

Direkt danach, immer noch Hauptbühne, Fiddlers Green. Die Folkrocker spielten ihr 1000 Konzert und taten das, was Folkrocker machen sollen: Mit Folk rocken! ? Und zwar richtig! Ungeachtet der Sonneneinstrahlung gingen wir 40 Minuten ab wie Schmidts Katze. Zur Belohnung gab es wenigstens etwas Wasser aus dem Kübel von der Bühne Richtung Menge.
Den Jungs merkt man an, dass sie auch nach so vielen Konzerten immer noch Bock auf Rock haben und ich glaube nicht, dass es das letzte Mal war, dass ich mir diese hervorragende Liveband angesehen habe.

Pause ? eine Runde zu McDoof ? die haben da klimatisierte Räume und Getränke mit Eis drin (mal ne Abwechslung zu der warmen Plörre vom Zeltplatz).

Zurück zur Hauptbühne: Von 19:30 bis Mitternacht ist da jetzt Programm.
Es beginnt mit In Extremo: Die Band ist ja für ihre Live-Qualitäten bekannt und enttäuscht auch diesmal nicht. Auszüge aus der Playlist: ?Küss mich?, ?Spielmannsfluch?, ?Vollmond?, dazu vor jedem Track eine kurze Ansage und als Highlight durfte ein Fan auf die Bühne und seine Gesangeskünste live preisgeben. In Ex live? Immer wieder gerne!

Im Anschluss: Within Temptation. Eine von wenigen Bands die im Funk und Fernsehen erscheinen. (Von diesem ?Die sind ja achso kommerziell?-Gelaber fange ich hier bestimmt nicht an. Mir gefällt die Band und wenn sie damit Erfolg haben, soll?s mir recht sein. Dazu kommt noch, dass ich so selten MTViva schaue, dass ich es gar nicht mitbekomme, von wem da wie häufig Clips gespielt werden.) Die Holländer waren auch schon im letzen Jahr auf dem M`era, seitdem haben sie nur wenig Neues gemacht. Folglich war auch die Performance ähnlich. Das Bühnenbild war für einen Festival-Auftritt sehr aufwendig, die Pyroshow war nett, die Songs gut vorgetragen. Fazit: Routinierter Auftritt.

Kommen wir nun zum Mainact des Sonnabends: Wolfsheim. Was für Musik im Allgemeinen gilt, gilt, so finde ich, für Wolfsheim im Speziellen ganz besonders: Man muß mentalen Zugang dazu finden können. Richtig ?abgehen? ist zu Wolfsheim nur schwer möglich, auch eine coole Bühnenshow zu machen ist nicht einfach und für die Show beim M`era ist unspektakulär wohl das Wort der Wahl. Glücklicherweise habe ich Zugang gefunden und habe so mit Heppners Musik 90 schöne Minuten verleben können, in denen ich mich auch die meiste Zeit tanzenderweise vorfand.

Von der Disko in der Nacht zum Sonntag kann ich noch weniger erzählen, denn nun habe ich nicht einmal mehr aus der Ferne davon mitbekommen, da wir trinkender und vor allem Singenderweise bis in die Nacht vor unserem Zelt saßen.

Sonntagmorgen, 9:00, es ist stickig im Zelt, zu stickig zum schlafen... also raus! Waschen, das Spiegelbild betrachten, fast in Ohnmacht fallen... egal! Drei Zentner Gel in die Haare und zu McD. Frühstück. Langsam verschwinden die Schleier vor den Augen... Gewissheit: Ja, wir sehen alle so scheiße aus. Was soll?s, wir haben noch fast bis ein Uhr Zeit. Bis dahin konnten wir wenigstens wieder geradeaus denken.

12:55 - das erste Mal im Hangar. Wie der Name schon sagt: Das Ding ist überdacht, kann im Sommer also hübsch kuschelig werden und ? ja: es ist Sommer! Aber es ist noch genügend Platz im Hangar, also kann man es gut aushalten. Chamber spielt auf. Vor der Band hatte ich vorher noch nichts gehört, aber auf Geheiß meines Kumpels waren wir hingegangen. Bereut habe ich es nicht. Chamber ist ein kleines Orchester mit Geigen, Bass, Gitarre usw. die das Haus ziemlich rocken. Spätestens beim letzen Song ?Ich will kein Engel sein? (Cover von Rammstein) hat die Halle gebebt.

Und wieder ins Freie. Auf der Hauptbühne gibt Funker Vogt schon mächtig Gas. Leider bekomme ich von der Show nur wenig mit, da ich rücklings zur Bühne ewig lange für ne Cola anstehen muss. Das was ich aber an Tönen von der Bühne kommen höre, lässt sich gut anhören.

Die Belgier kommen: Suicide Commando sind als nächstes dran. Electro zum abgehen! Die Band kommt live groß, allerdings kann man um 14:00 von der Light Show nur wenig sehen.
Außerdem kam es nun zu einer Termin Kollision, denn ab 15:00 spielten Schandmaul im Hangar. Da der Hangar aber erwartungsgemäß sehr voll sein würde, mussten wir früher gehen und so stand ich Wartenderweise vor dem Hangar in der Schlage, während die Commandos mit ihrem Song ?Hellraiser? zum flotten Tanz vor der Hauptbühne einluden. *äRGER*

Im Hangar war es fast unerträglich heiß und stickig. Also beschloss ich, nicht bis vorne durchzugehen, sondern auf Höhe der Eingangstür bis zur Mitte zu gehen, damit mich wenigstens noch etwas Luft erreichen konnte. Die Schandmäuler rockten so gut sie konnten, spielten groß auf (z. B. Geisterschiff, Herren der Winde) und das Publikum gab, den Umständen entsprechend, alles. Dennoch tut sich der Veranstalter meiner Meinung nach keinen Gefallen, wenn sie eine Band wie Schandmaul in den Hangar stecken. Hoffentlich sind die Schandmäuler im nächsten Jahr wieder dabei ? dann aber auf der Hauptbühne!

Nun zollten auch wir den Umständen Tribut und verzichteten auf den Gig von Gothminister im Hangar, tankten kurz an den Zelten Energie und besuchten dann Therion auf der Hauptbühne. Die animierten die Menge zum fröhlichen bangen und der schwedische Sänger, der des Deutschen überaus mächtig ist, gab zahlreiche Statements zum besten. So forderte er die Menge zum Genuss geistiger Getränke mittels des Wortes ?saufen? auf und wunderte sich dass sich auf einem Gothic Festival doch einige Leute einen Metal Act ansehen.

Danach begann die erste sentimentale Phase: Zeltabbauen! Aber eigentlich waren wir doch gerade erst angekommen und weg wollten wir noch lange nicht. So konnten wir Covenant nur aus der Ferne lauschen und uns ärgern, dass wir gerade bepackt wie die Esel zum Auto marschieren.

19:20 ? die ersten Headliner für heute Abend: Oomph!, Industrial Metal mit einem Nummer eins Hit in Deutschland (das Lied mit dem Eckstein...) Allerdings saßen wir vor dem Auftritt auf einem Samtcape einer Mitstreiterin und als diese eine Runde über das Gelände drehen wollte, hatte ich auf einmal das ganze Cape für mich alleine. Auf diesem lag ich dann, der Asphalt wärmte mich von unten und so fielen die Augen wie von Zauberhand zu. Von der Show weiß ich nur, dass die Jungs in weiß gekleidet waren. Ansonsten lag ich danieder und lauschte den Tönen ihrer letzten CD (von den alten Stücken ist mir keins aufgefallen, vielleicht bin ich auch kurz eingenickt und habe es deshalb nicht bemerkt), zum mich-bewegen konnte Oomph mich jedoch nicht überreden.

Das Finale: Zunächst einmal haben die Oberen der Stadt Hildesheim 100 Schläge auf das nackte Gesäß verdient, denn sie untersagten Musik nach 22:00 (Ruhestörung? Die Musik von Lacrimosa ist keine Ruhestörung! Aber das da einer gestört ist, kann ich mir schon denken).
Uns wurde dann klar, dass das Festival sich dem Ende entgegen neigt und das wir alles wollen, nur das nicht! Um nicht in emotionalen Ausbrüchen zu versinken, feierten wir noch einmal richtig zu der Musi von Tilo. (Auch wenn das Sich-mit-Wasser-übergießen-und-dabei-Unsinn-singen im Zusammenhang mit Lacrimosa nicht statthaft ist...) Zum eigentlichen Auftritt: Nachdem zum dritten Lied das defekte Mikro ersetzt wurde konnte man Tilo auch endlich verstehen. Die Band zog routiniert ihr Programm durch, allerdings hätte ich mir mehr Interaktion mit dem Publikum gewünscht.

Unsere vor Melancholie triefende Abschiedsszene lasse ich bei dieser Betrachtung hier weg und fazitiere: Das M`era Luna 2004 war extraklasse. Die 59 € hätte man unmöglich besser anlegen können, als in Hildesheim mit rd. 23.000 Gleichgesinnten schwarz zu feiern.
Und weiter geht?s im nächsten Jahr!
Forca M?era Luna!

Text von Jan Kruse, 13.08.2004

Herzlichen Dank an: den Veranstalter, die Musiker, Freese, Steffi, Hannes, Diana, Marc und Claudi, die dafür sorgten, dass sich das Festival auf ewig in mein Gedächtnis eingegraben hat.

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